Ein Abend voller Staunen: Magic Hansa im Hamburger Hansa Theater
Manchmal braucht es nicht viel, um einen Abend unvergesslich zu machen – ein altes Theater, gedämmtes Licht, und sechs Künstlerinnen und Künstler, die das Unmögliche möglich erscheinen lassen. Genau das bot die Magic Hansa, eine Zaubershow im traditionsreichen Hansa Theater in Hamburg, präsentiert von Jan Logemann.
Gemütlichkeit trifft große Magie
Wer das Hansa Theater betritt, fühlt sich sofort wohl. Die Atmosphäre erinnert an die elegante Gemütlichkeit des GOP – ein Rahmen, der Nähe schafft und die Distanz zwischen Bühne und Publikum auf angenehme Weise aufhebt. Kein anonymes Riesentheater, sondern ein Ort, an dem man das Staunen fast körperlich spürt.
Sechs Künstlerinnen und Künstler teilten sich an diesem Abend die Bühne – und jede Darbietung hinterließ ihren eigenen Abdruck.

Raymond Crowe: Poesie ohne Worte
Der gebürtige Australier Raymond Crowe braucht keine Sprache, um zu berühren. Seine Nummer ist eine perfekte Mischung aus Poesie, Humor und Magie – und das vollkommen wortlos. Was zunächst fast paradox klingt, entfaltet sich vor den Augen des Publikums zu etwas Besonderem: pure Präsenz, gepaart mit einer Leichtigkeit, die man nur bei wirklich großen Künstlern findet. Ihm zuzusehen ist schlicht ein Genuss.

Lucas Kaminski: Ein Stern im Aufgehen
Dann ist da Lucas Kaminski – und wer ihn noch nicht kennt, sollte sich den Namen merken. Der junge Zauberkünstler ist ein aufgehender Stern am Himmel der Zauberkunst, und das nicht ohne Grund: Mit seiner Weltmeisterschaftsnummer rund um magische Seifenblasen holte er den Preis für die beste Innovation und Kreativität. Was klingt wie ein verspieltes Kunststück, entpuppt sich auf der Bühne als atemberaubende Kombination aus Technik, Timing und Fantasie. Seifenblasen, die sich verhalten, als würden sie eigene Entscheidungen treffen – das sieht man nicht alle Tage.

Der Däne, der das Publikum austrickst – und zum Lachen bringt
Morten Christiansen betritt die Bühne, und der erste Eindruck trügt gewaltig. Der Däne wirkt entspannt, fast beiläufig – so als würde gleich gar nichts Besonderes passieren. Doch genau das ist sein Spiel. Was folgt, ist höchste Zauberkunst, verpackt in unverwechsellichen Humor: Das Publikum lacht, staunet – und begreift zu spät, dass es schon längst in Christiansens Welt gefangen ist.
Kein Wunder, dass sein einzigartiger Stil ihn nicht nur durch die halbe Welt geführt hat, sondern ihm auch den Titel des Weltmeisters einbrachte. Wer ihn einmal gesehen hat, versteht: Diese scheinbare Leichtigkeit ist das Ergebnis jahrelanger Meisterschaft.

Der Mann, der einen Abend zusammenhält
Neben Christiansen stand an diesem Abend jemand, der das Programm nicht nur ergänzte, sondern ihm eine ganz eigene Tiefe verlieh: Jan Logemann. Als Zauberkünstler, Moderator, Conferencier und Geschichtenerzähler in einer Person ist er ein seltenes Talent.
Logemann führte durch den Abend, als würde er eine Geschichte erzählen – und das tat er auch. Jede Moderation ein kleines Erlebnis, jede Überleitung mehr als nur ein Lückenfüller. Er gab dem Abend seinen roten Faden und damit jene besondere Note, die gute Unterhaltung von großartiger trennt.
Auch seine Vita spricht für sich: 2012 holte er sich den Weltmeistertitel in der Kartenkunst, und den begehrten Titel „Magier des Jahres“ trägt er ebenfalls nicht zum ersten Mal.

Wenn die Bühne zur Zauberwelt wird
Es gibt Abende, an denen man das Theater verlässt und das Gefühl nicht loswird, etwas Besonderes erlebt zu haben. Einen jener seltenen Momente, in denen Kunst wirklich berührt – und das Staunen für einen kurzen Augenblick die Oberhand gewinnt.
Ein Verwandlungskünstler in seinem Element
Sebastian Nicolas gehört zu jenen Künstlern, die sich nicht festlegen lassen. Mal schlüpft er in die Rolle des poetischen Geschichtenerzählers, dessen Worte Bilder malen, mal entpuppt er sich als virtuoser Meister der Manipulation – im besten Sinne des Wortes. Sein Auftritt an diesem Abend war schlicht überragend. Nicolas versteht es, sein Publikum in den Bann zu ziehen und im nächsten Moment vollständig zu überraschen. Dass er inzwischen sein eigenes Zaubertheater betreibt, verwundert kaum – wer so eine Bühnenenergie mitbringt, erschafft sich seine Welt am Ende selbst.

Puppen, die eine Seele haben
Dann betritt Suse Wächter die Bühne – und mit ihr eine ganz eigene Welt. Als Meisterin des gesprochenen Wortes und der Puppenspielkunst erweckt sie ihre Figuren auf eine Weise zum Leben, die einem den Atem verschlägt. Ihre Puppen wirken täuschend echt, ja geradezu lebendig – nicht wegen ausgefeilter Technik allein, sondern weil Wächter ihnen etwas Entscheidendes mitgibt: Seele, Tiefe und Charakter. Es ist diese Kombination aus Klugheit, Berührung und fast schon kindlichem Staunen, die ihre Kunst so besonders macht. Magisch ist kein zu großes Wort dafür.

Die musikalische Seele des Abends
Was wäre ein solcher Abend ohne die richtige Klangkulisse? Oliwia Wilczewska verlieh dem Ganzen mit ihren feinsinnigen Kompositionen eine weitere Dimension. Ihre Musik fügte sich nicht einfach ein – sie vollendete. Subtil, präzise und zutiefst stimmig untermalte sie das Geschehen auf der Bühne und schuf jenen unsichtbaren Klangteppich, auf dem Poesie, Zauber und Puppenspiel erst wirklich schweben konnten.

Ein Abend, der bleibt
Die Magic Hansa ist kein Spektakel, das mit Lautstärke beeindruckt. Sie beeindruckt durch Können, Charakter und die stille Magie des Live-Erlebnisses. Wer die Möglichkeit hat, diese Show zu sehen – hingehen – so wie Frank&Franky. Es lohnt sich.

